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By Anja Rüdiger

Ein Dekonstruktivist sagt: "Ich rede von der Demokratie als von etwas Kommendem."l Doch die Rede soIl hier nicht von einer empirisch gestiitz­ ten Vorhersage oder einer normativen Utopie sein, sondern von der ethisch­ politischen Perspektive, die die Geste der Dekonstruktion offnet. Den Hori­ zont dieser Perspektive bildet die Demokratie, dessen Unerreichbarkeit in der politischen Praxis der Demokratisierung affirmiert wird. Dekonstruktion und Demokratisierung stehen dabei weder in einem parallelen noch einem additiven Verhiiltnis, auch wenn die Konjunktion "und" dies suggerieren magazine. Es handelt sich um zwei offene, einander verschiebende Prozesse, deren Verschriinkung diese Studie darlegen mochte. Eine temporale Meta­ pher tragt dabei solange, wie sie nicht teleologisch miBverstanden wird: Die Demokratie ist die Zukunft der Dekonstruktion,2 wenn die Dekonstruktion die andere Gegenwart bleibt. Die Spur einer dekonstruktiven Bewegung hat sich lange schon, minde­ stens seit einem Jahrhundert, vergegenwartigt.3 An sie gekoppelt ist gleich­ wohl die Angst vor einem Nihilismus, der das emanzipatorische Verspre­ chen verneinen konnte. Als anti-moderne Reaktion, die sich schein bar nicht auf Zukiinftiges beziehen kann, wird die Dekonstruktion immer wieder als Zeitgeisterscheinung zuriickgewiesen. Doch phanomenologische Periodisie­ rungsversuche, die die Subversion moderner rationalistischer Essenzen wie Subjekt, Gesellschaft und Geschichte etwa als ideologischen Ausdruck der Entwicklung zum Spatkapitalismus oder auch als intellektuelle Konsequenz der politischen Aufbruchsstimmung der sechziger Jahre interpretieren wol- Friedrich Nietzsche, Menschliches. Allzumenschliches. Ein Buch for /reie Geister, Slimtli­ che Werke Bd. three (Stuttgart 1964),313. 2 Vgl. zu dieser Fonnulierung auch Simon Critchley, The Ethics a/Deconstruction. Derrida and Levinas (Oxford/Cambridge 1992), 241.

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Diese Privilegierung ist notwendigerweise zirkular, weil sie nur mit Mitteln des privilegierten Diskurses selbst postuliert werden kann. Doch es ist weniger die Zirkularitat als der inharente Dogmatismus im Umgang mit dieser, die HindesslHirst an der Epistemologie kritisieren. Die Privilegierung bestimmter diskursiver Formen kann eine Erkenntnistheorie nicht in einem anderem Kontext problematisieren, da sie einen universal en Korrespondenzmechanismus namens Erkenntnis, der sich durch die definitive Ordnung der realen Objekte als Erkenntnisobjekte bedingt, voraussetzt.

Zum Vorwurf der Privilegierung der Okonomie vgl. auch Resch, Althusser, 103f, und BalllMasseyffaylor, [Review), 110. Dabei ist "der Marxismus" selbst natftrlich alles andere als einheitlich. Nur diese Offenheit und Inkonsistenz des marxistischen Diskurses macht dann ja auch seine Dekonstruktion moglich. Wenn HindessIHirstjedes Modell einer gesellschaftlichen Totalitat mitsamt wen detenninistischen Relationen zurUckweisen, hat das direkte Konsequenzen fUr eine rnarxistische Klassenanalyse, die traditionell auf einer Theorie der objektiven Interessen beruht.

Entscheidend ist das besondere Selbstverstandnis jeder dieser Lesarten, die zusanunen fast so etwas wie eine dekonstruktive Tradition bilden: Sie verstehen sich in Althussers Sinn als symptomatische Lektiire, die nicht die Essenz, die Manifestation des Logos aus einem Text destillieren will, sondern die Dynamik der subtextuellen Leerstellen und Differenzen zu rekonstrukieren sucht. "Eine einfache wortliche Lektiire sieht [... ] nur die Kontinuitat des Textes. " A1thusser/Balibar, Das Kapital Lesen BdJ, II If; vgl.

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